Gestern Feinde – heute Freunde : Denkmalspflege in Küdinghoven

1. September 2010

Was macht ein Bürgerverein – zum Beispiel in Küdinghoven? Er verschönert
in achtenswerter ehrenamtlicher Arbeit den Dorfplatz, legt einen
Bouleplatz an, errichtetet Waldtreppen und – das steht nun mal in der
Satzung – kümmert sich um die Pflege der Denkmale. Nur – in Küdinghoven
gibt es davon nur wenige: etwa das Foveaux-Häuschen im Ennert
und das Krieger-Denkmal vor dem Hotel zur Post.

Denkmal
Das Foveaux-Häuschen arbeiteten der Bürgervereinsvorsitzende Werner
Bolz und seine „Spießgesellen“ mit Einsatz und Energie rasch ab. Der
Obelisk aber verwitterte lange weiterhin still vor sich hin.
War es ein Erlahmen der Initiative bei den Mitgliedern des „Denkmal-
Komitees“, die fast alle in den Kriegsjahren geboren wurden und beruflich
sämtlich bereits in das berüchtigte „Dritte Alter“ eingetreten, also in
Rente sind? Das Alter war sicher der entscheidende Grund, aber auf eine
paradox andere Weise als die gängige Sichtweise nahelegt. Gerade weil
der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit sie geprägt haben, mochten
sie sich nicht mit dem begnügen, was durchaus denkmalspflegerisch korrekt
gewesen wäre: der Erhaltung des zeitgebundenen Siegesheroismus,
resultierend vor allem aus dem Sedan–Mythos des wilhelminischen
Hurra-Patriotismus der Jahrhundertwende nach den deutschen Siegen
über Frankreich und der darauf folgenden Reichsgründung 1870/71.
Werner Bolz: „Wir hatten einfach Skrupel.“

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